Aktuelles 

Die schwere Krise durch die Verbreitung des Corona Virus hat auch für uns Klosterfrauen im Kloster Marienwerder gravierende Auswirkungen.

Nach wie vor gehen wir - unserer „Kernkompetenz dem Gebet“ – wenn auch hinter verschlossenen Türen – nach. Sie sind immer eingeladen - doch besonders in dieser schweren Zeit Ihre Anliegen an info@Kloster-Marienwerder.de zu schicken. Von Herzen denken wir an Sie und tragen Ihre Sorgen im Gebet zu Gott! Wir sind Ihnen, wenn auch äußerlich auf Abstand, innerlich der Welt sehr nahe.

Bewohnerinnen des Klosters Marienwerder im März 2020: Frau Goldbach (95 Jahre) und Frau Schaub (77 Jahre) auf der Gartenbank mit Klosterkatze Marie (20 Jahre). Foto: Inger Johannes

Nicht alles ist abgesagt…

Sonnenschein ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Liebe ist nicht abgesagt
Freundschaft ist nicht abgesagt
Lesen ist nicht abgesagt
Freude ist nicht abgesagt

Zuwendung ist nicht abgesagt
Lachen ist nicht abgesagt
Träumen ist nicht abgesagt
Beten ist nicht abgesagt
Ostern ist nicht abgesagt
Hoffnung ist nicht abgesagt


Weniger allein in Marienwerder 

Jeden Abend um 19 Uhr, wenn in Marienwerder die Kirchenglocken läuten, öffnen die Bewohnerinnen ihre Fenster. Dann spielt Schwester Maria-Martha auf der Mundharmonika „Der Mond ist aufgegangen“ und die anderen singen dazu.

Während die Welt aus den Fugen gerät, ist im Kloster Marienwerder alles in Ordnung. „Ich bin dankbar für unsere Gemeinschaft, dass wir so gut versorgt sind und dass wir alle gesund sind“, betont Rosemarie Meding, Äbtissin des Klosters.

In der Zeit der Corona-Krise sind besonders ältere Menschen gefährdet, gerade dort, wo sie nah beieinander leben, kann es zur Katastrophe kommen, wie bereits in Wolfsburg passiert: Dort starben mittlerweile 22 von 140 hochbetagten Insassen des Hanns-Lilje-Heims. Auch in Hannover im Eilenriedestift gibt es sechs Corona-Fälle, bei gleichzeitigem Ausfall des Pflegepersonals.

Im Kloster Marienwerder verbringen betagte Konventualinnen und Äbtissinnen ihren letzten Lebensabschnitt nach einem Konzept des selbstbestimmten Wohnens. „Die Stimmung bei uns ist gut, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten alle. Das Miteinander zwischen der Pflegedienstleitung und Quartierskoordinatorin Bärbel Frenken und dem Kloster läuft super, die Mitarbeitenden der Pflege, der Hauswirtschaft und Küche haben uns nicht allein gelassen“, freut sich Rosemarie Meding.

Trotzdem hat sich das Leben der Bewohnerinnen verändert. Sie bekommen keine Besuche mehr und seit dem 13. März 2020 entfällt das gemeinsame Mittagessen, die Bewohnerinnen nehmen nun ihre Mahlzeiten alleine in ihren Wohnungen ein. Dennoch erfahren sie jeden Tag besondere Formen der Zuwendung und sind weniger allein als andere Menschen in ihrem Alter. Rosemarie Meding schreibt ihnen aufmunternde Briefe, sonntägliche Andachten, bringt mal eine Blume vorbei und organisiert das Leben im Ausnahmezustand. „Wir hatten fünf Tage keine Milch, auch Nudeln und Toilettenpapier wurden knapp“, erzählt die 60-Jährige. Mittlerweile hat sich die Situation stabilisiert und neue Versorgungsquellen sind aufgetan: Wir werden nun einmal pro Woche von einem Bio-Bauern aus Wunstorf beliefert“, berichtet die Äbtissin.

Dr. Stephan Lüttich, Leiter der Abteilung Förderungen/Klöster und Stifte, telefoniert einmal pro Woche mit Marienwerder: „Die Situation dort ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausfordernd, aber sie meistern das alles sehr gut!“, unterstreicht er. Alle Beschäftigten versuchen, bei den Bewohnerinnen Optimismus zu verbreiten, stellen das Positive in den Vordergrund: weniger Flugzeuge am Himmel, weniger Lärm, mehr Sonne.

Birgit Schmidt geht als psychosoziale Betreuung täglich zu allen Bewohnerinnen. Einmal pro Woche kauft sie auch für alle ein – mit 14 Portemonnaies in ihrer Handtasche. „Bleiben Sie mir gesund, Sie sind mein einziger Kontakt zur Außenwelt“, hat dieser Tage eine der Bewohnerinnen zu ihr gesagt. Sie kann an ihren Schützlingen keine Beunruhigung feststellen. „Viele haben kein Radio und keinen Fernseher, das ist in diesem Fall hilfreich“, berichtet Birgit Schmidt. Mit Lesen, Kreuzworträtseln, und Spaziergängen vertreiben sich die Bewohnerinnen die Zeit.

Bei schönem Wetter sitzen sie in kleinen Nischen, die Hausmeister Dirk Stauß und die Äbtissin im Klostergarten vorbereitet haben, und genießen die Frühlingssonne. Die Äbtissin telefoniert bei Bedarf mit den Angehörigen, die wiederum telefonieren regelmäßig mit den Bewohnerinnen. „Sie bekommen momentan mehr Anrufe als sonst, vermutlich haben die Angehörigen mehr Zeit und außerdem machen sie sich auch Sorgen“, sagt Birgit Schmidt.

„Wir, als Klostergemeinschaft, sind aufgerufen zur Fürbitte, besonders für die Kranken und alle, die in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen Dienst tun, auch für unsere Mitarbeitenden der Diakonie!“, unterstreicht die Äbtissin. Und wenn abends nach den Kirchenglocken die Mundharmonika ertönt, dann singen alle auch die letzte Strophe von „Der Mond ist aufgegangen“, in der es heißt: „Verschon‘ uns Gott mit Strafen, und lass uns ruhig schlafen, und unsern kranken Nachbarn auch.“

Text von Kristina Weidelhofer, Klosterkammer Hannover

Impressionen

Die folgenden Fotos sind während des Workshops "Click im Kloster" im Kloster Marienwerder entstanden.

Foto: Reinhard Streeck

Foto: Sybille Heller

Foto: Claudia Gerber